KI und Kunst
Künstliche Intelligenz (KI) kann Werke hervorbringen, die Gemälden, Grafiken oder Fotografien täuschend ähnlich sehen. Dieser Artikel untersucht, wie diese Werke zu behandeln sind und unter welchen Umständen – wenn überhaupt – sie als Kunst zu verstehen sind. Der Fokus liegt dabei auf dem Werk selbst im Sinne der Tradition der „Kunst um der Kunst willen“, auf der Rezeption, auf den bei der Schaffung erforderlichen Fähigkeiten sowie auf den Urhebern selbst. Neben der Auswertung literarischer Quellen, die sich mit den oben genannten Aspekten befassen, berücksichtigt die Untersuchung durch ausführliche Interviews auch die Perspektive kunstinteressierter Personen. Die meisten Befragten revidierten ihre erste Reaktion, nachdem sie erfahren hatten, dass die Werke von einer KI erzeugt worden waren, und standen ihrem Status als Kunst fortan skeptischer gegenüber. Damit wird deutlich, dass sich die Rolle des Künstlers im Wandel befindet. Die Konfrontation mit dem Künstlichen rückt den menschlichen Schöpfer in den Vordergrund und macht ihn untrennbar mit dem Werk verbunden. Die neue technisch-kulturelle Situation führt zu einer neuen, stärker kontextbezogenen Bewertung von Kunst.
Prof. Dr. Maja Tabea Jerrentrup ist Medienanthropologin, deren Arbeit sich auf visuelle und populäre Kultur, Kunsttheorie sowie zeitgenössische Medien- und Bildpraktiken konzentriert. Sie ist Professorin und Studiengangsleiterin der Studiengänge „Neue Medien und Interkulturelle Kommunikation“ und „Visual Studies and Creative Conception“ an der Hochschule Landshut und verfügt über eine professorale Anbindung an die Ajeenkya DY Patil University in Pune, Indien.
Ihre Forschung untersucht visuelle Selbstdarstellung, Autorschaft, digitale Öffentlichkeiten, transnationale Ästhetik und die Auswirkungen generativer KI auf Kunst, Kreativität und das gesellschaftliche Leben. Sie verbindet akademische Forschung mit künstlerischer, kuratorischer sowie journalistischer Praxis und hat bereits in Europa, Asien, Westafrika und Lateinamerika gelehrt und geforscht.
Sie verfügt über umfassende Erfahrung in der Hochschulentwicklung, der internationalen Zusammenarbeit und der interdisziplinären Forschung. Ihre Publikationen umfassen rund 20 Bücher sowie zahlreiche peer-reviewte (fachgutachterlich geprüfte) Artikel, was ihr nachhaltiges Engagement für transdisziplinäre Ansätze und den internationalen Austausch widerspiegelt.
Praktizierende Künstler müssen sich wie zuvor klar platzieren, ein Profil entwickeln und begründen, warum sie welche Entscheidungen getroffen haben. Hier sind also kognitive Fähigkeiten und Artikulationsfähigkeit verlangt. Andererseits spielt aber auch das Charisma und die persönliche Geschichte eines Künstlers eine wichtige Rolle. Künstlerbiographien sind erheblich beliebter als beispielsweise die von Wissenschaftlern. Menschen interessieren sich für Künstler – dies sichert ihnen, so hoffe ich, auch das Fortbestehen.