WABISABI
Wabi-Sabi – Die Fehlerhaftigkeit und Vergänglichkeit des Lebens wertschätzen
Eine Vase auf dem Tisch. Raue Oberfläche, unregelmäßige Form. Ein feiner, mit Gold gefüllter Riss, zieht sich durch das Material. Was als beschädigt oder unvollkommen gelten könnte, gilt in Japan oft als besonders schön. In der japanischen Ästhetik heißt das Wabi-Sabi.
Wabi-Sabi bedient sich unperfekter Symmetrie, der Natürlichkeit der Materialien, ruhiger Formen und der Spuren der Zeit. Dinge dürfen altern, Gebrauchsspuren zeigen und ihre Geschichte erzählen, so einzigartig und einmalig, wie das wahre Leben eben ist – mal ungradlinig, mal gewöhnlich.
Der Begriff „Wabi“ bedeutet ein schlichtes, ruhiges Leben in Bescheidenheit und tiefer Dankbarkeit für alles, was einen umgibt. „Sabi“ beschreibt die Schönheit der Dinge, wenn sie älter werden – ob durch Abnutzung oder Brüche.
Wie gelingt es, das Einfache, Vergängliche und Unperfekte in einer Welt zu schätzen, die von der Perfektion, Schnelllebigkeit und Unfehlbarkeit geprägt ist? Die Antwort darauf können die Studierenden in ihren Werken im Modul „Interkulturelle Kommunikation in der Kunst“ zum Ausdruck bringen. Kombiniert mit der Technik „Kintsugi“ oder „monono aware“ werden in den Werken bewusst Unregelmäßigkeit und Unebenheiten des Materials genutzt. Die Stellen, wo die Keramik zerbrach, werden mit Gold repariert. Der Bruch wird hervorgehoben, anstatt versteckt zu werden. Ob sichtbar oder unsichtbar – die Risse und Brüche sind Teil der Geschichte des Gegenstands oder eines Lebens.
Wabi-Sabi erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit. Nichts ist für immer. Veränderungen, Vergänglichkeit und Altern sind natürlich und nicht aufzuhalten. Und gerade dieses Verständnis liegt dem Begriff „Wabi-Sabi“ zugrunde.
„Irgendetwas fehlt – Herbstlaub fällt.“ Taneda Santoka (1882-1940)